

(1)
09. März 2010

Design im Werkzeugmaschinenbau gewinnt an Bedeutung. Viele, vor allem große Unternehmen wie DMG, Trumpf und Amada investieren in Design. Es geht nicht nur um eine schönere Hülle, sondern auch um Funktionalität und Ergonomie von Maschinen und Anlagen.
Das Designbüro Mursch & Knopp gestaltete bereits 1983 mit dem Maschinenhersteller Sennebogen Baumaschinen für Zeppelin. Der aus dieser Zusammenarbeit entstandene Raupenbagger ZR 26 erhielt 1986 eine Designauszeichnung. „Meines Wissens war dies der erste Preis für eine Baumaschine“, erinnert sich Peter Knopp, Inhaber des Designbüros Mursch & Knopp sowie Vorsitzender für Bayern im Verband deutscher Industriedesigner (VDID).
Mitte der achtziger Jahre erkannten einige Unternehmen, dass Ergonomie, durchdachte Arbeitsräume und Firmenerkennung auch für Investitionsgüter ein Marktvorteil sind. „Heute sehen die Firmen, dass ihnen Design in einem härteren Markt neue Chancen eröffnet. Der Markt wächst“, erklärt Knopp. Er ist der Ansicht: „In der drohenden Rezession kann die Zusammenarbeit mit Industriedesignern die Marktposition sichern helfen.“
Die richtige Gestaltung von Maschinen ist auch gesetzlich verankert. Laut europäischer Maschinenrichtlinie müssen Maschinen nicht nur technisch sicher sein, sondern sind außerdem so zu entwerfen, dass sie den Bediener möglichst wenig belästigen, ermüden oder psychisch belasten.
Wenn sich zur geforderten Ergonomie auch noch Ästhetik gesellt, zahlt sich die Investition in Design für das Unternehmen besonders aus. Denn dem Bediener macht das Arbeiten an einer ergonomischen und schönen Maschine mehr Spaß, dadurch ist die Leistungsbereitschaft größer und das spiegelt sich letztlich in höherer Effizienz wider. Zudem gehen die Mitarbeiter mit einer optisch ansprechenden Maschine pfleglicher um, was den Verschleiß verringert.
Dennoch ist der Entschluss für ein neues Design immer „ein Spagat zwischen Kosten, Konstruktionsmöglichkeiten und Designidee“, sagt Claude Mutschler von Mutschler Winkler Design in Grafenau. Die Designer Claude Mutschler und Hans Winkler haben unter anderem mit großem Erfolg eine Maschine von Amada und vier von Amada Wasino neu gestaltet.
„Während des Gestaltungsprozesses ließ sich Amada für jede Maschine drei Designentwürfe machen“, berichtet Hans Winkler. Um den Wert des Designs zu ermitteln, werden meist Entwürfe und Preise verschiedener Designer eingeholt.
Im Entstehungsprozess ist der gute Wille der Konstrukteure wichtig, sie müssen „sich auf das Design einlassen“, wie Mutschler sagt. „Teilweise ist ein neu designtes Produkt sogar imageverändernd für eine Firma; aber Design ist natürlich auch eine Budgetfrage.“ So sind die Materialkosten zwar die gleichen oder nur unwesentlich höher, aber der Gestaltungsaufwand muss natürlich bezahlt werden. „Je nach Komplexität und Größe des Produkts lässt sich eine Industriedesignentwicklung mit 0,5 bis 5% des Entwicklungsetats beziffern“, schätzt Knopp die Kosten für Unternehmen ein.
Die Entwicklung des Designgeschäfts bei Investitionsgütern ist generell an die der Branche gekoppelt. Weil es dem deutschen Maschinenbau in den letzten Jahren sehr gut ging, konnten sich auch die Designer über Aufträge freuen. „Zudem hat der Maschinenbau längere Entwicklungs- und Lebenszeitzyklen und reagiert nicht spontan, so dass die Schwankungen für die an der Entwicklung beteiligten Designbüros bisher nicht so dramatisch ausfallen“, erklärt Knopp.
Die junge Agentur Dominic Schindler Creations aus dem österreichischen Lauterach erhielt für ihre Arbeit seit der EMO im Jahr 2007 viel Lob. Dort stellte DMG das neue Design seiner Dreh- und Fräsmaschinen vor.
Die Initiave Mittelstand zeichnete das Designbüro mit dem Industriepreis 2008 in der Kategorie Maschinenbau aus. Außerdem gewann die Agentur den Universal Design Award in der Kategorie Maschinendesign für das New DMG Design von Gildemeister.
Laut der Jury macht das neue Design der Dreh- und Fräsmaschinen den Arbeitsprozess transparent. Zudem lobte sie die in alle Richtungen dreh- und schwenkbaren Bildschirme, die sich individuell auf den Bedarf des Bedieners einstellen lassen. Die Agentur arbeitet auch für andere Maschinenbauer, darunter Heidenhain und Fanuc Robotics.
„In der allgemeinen Diskussion wird Industriedesign oft auf das rein Äußerliche reduziert“, sagt Dominic Schindler, Designer und Gründer der Agentur Dominic Schindler Creations. „Das kann für ein Unternehmen natürlich ein wesentlicher Aspekt sein, beispielsweise um sich vom Mitbewerber zu differenzieren.“
Aber der Nutzen ist für Schindler an andere Bedingungen geknüpft: „Ziel muss es sein, gemeinsam mit dem Kunden eine ganzheitliche Lösung zu kreieren, die sowohl einen Mehrwert für den Hersteller schafft als auch den Anwender im Fokus hat.“ Design habe sich gelohnt, wenn ein Mitarbeiter mit mehr Motivation und Engagement an einer Maschine arbeitet – und sie zudem so gestaltet ist, dass er sie schneller und effizienter bedienen kann.
Mit der Studie Design 2010 hat die Kölner Unternehmensberatung BBE die Entwicklung des Wettbewerbsfaktors Design in Deutschland untersucht. Laut dieser Studie gestehen 82,2% der befragten Führungskräfte den Designern einen wichtigen Anteil am Unternehmenserfolg zu. Sogar 91,8% haben erkannt, dass die Markenbekanntheit in besonderem Maße durch das Produktdesign geprägt wird.
Der Laie erkennt vor allem Veränderungen an den Maschinen und Anlagen: abgerundete Ecken, größere Bedienbildschirme, größere Sichtfenster, schwenkbare Bedienpulte sowie ansprechende Form- und Farbgebung. Design-Experte Schindler weiß: „Was das Design etwa von spanenden Werkzeugmaschinen betrifft, werden der Prozess und das Umfeld einer Maschine heute als Ganzes betrachtet.“ Früher lag der Fokus allein auf einem effizienten Zerspanprozess, heute spielen viel mehr Faktoren im Gestaltungsprozess eine Rolle. „Dazu zählt die optimierte Bedienung mit Faktoren wie Zugänglichkeit, Transparenz und Ergonomie ebenso wie das Erscheinungsbild“, so der Designer.
Quelle: VBM
Tags: industriedesign, design